Was ist anders beim Abschied von Kindern?

Von Bärbel Romey

Für Eltern ist der Tod ihres Kindes die schmerzlichste Erfahrung überhaupt. Bei der Beisetzung eines Kindes helfen persönliche, individuelle, einzigartige Zeichen und Gesten bei dem schmerzvollen Abschied. Cordula Caspary gibt einen Einblick in ihre Erfahrungen bei der Begleitung von Familien.

 

„Bei guter Begleitung kann Heilung entstehen“

Dass Trauerbegleitung Menschen hilft, nach vorne zu schauen, erlebt Cordula Caspary immer wieder. Die Kulturwissenschaftlerin und Bestatterin weiß: „Bei guter Begleitung kann Heilung entstehen. Ein bewusst gelebter Abschied mit allen Sinnen kann helfen, wieder ins Leben zu finden.“

So wie jeder Mensch anders ist, so gestalte sich auch jeder Abschied anders. „Sterben von Kindern ist eine schmerzhafte Erfahrung“, sagt Cordula Caspary, (Bild) sie begleitet seit fast 20 Jahren Familien und Angehörige in Bremen und im Umland. Intensiv beschäftigt sich die Kulturwissenschaftlerin mit der Beerdigungs-und Trauerkultur, zum Beispiel mit geänderten und neuen Formen des Abschieds, mit Ritualen bei der Trauerarbeit und mit dem Abschied im Zusammenhang mit Migration und unterschiedlichen Kulturen.

Sie rät, bei ihren Trauergesprächen neben der Familie, möglichst den Freundeskreis, die Mitschüler und das soziale Umfeld mit einzubeziehen. Denn bei dem Verlust eines Kindes seien persönliche, individuelle, einzigartige Zeichen und Gesten besonders wichtig. „Bei einer Bestattung geht es immer um beides: Auf jene Weise Abschied zu nehmen, wie es für die Angehörigen gut und heilsam ist, aber auch richtig und stimmig für den Menschen sein muss, der gestorben ist.“

 

Individuelle Ausdrucksformen wählen

Die Bestatterin erinnert sich an individuelle Abschiede: Für ein fünfjähriges Mädchen wählten die Eltern einen kleinen weißen Sarg, der das Schweben wie auf einer Wolke symbolisierte. Eine Mutter ließ sich aus der Asche eines verstorbenen Babys einen Diamanten pressen Bei einem anderen Abschied wurde ein großer Regenbogen über dem Altar aus vielen bunten Luftballons gestaltet, die Kinder dann am Grab fliegen ließen. Beim Abschied eines Jungen, einem leidenschaftlichen Fußballfan, lagen viele Fußbälle im Altarraum. Bei einer anderen Bestattung verteilten die Anwesenden Sonnenblumenkerne auf dem Grab und einen Teil später in der Natur. Die Idee dabei war, später bei Sonnenblumen in der Natur oder im Garten an das Kind zu denken.

„Fast alles ist möglich“, sagte die Bestatterin: Bestattungen auf dem Friedhof, mit kirchlicher Begleitung oder ohne, Feuerbestattung, christlich oder konventionell, es müsse, insbesondere bei unterschiedlichen Kulturen der richtige Weg gefunden werden. „Wichtig ist es, alle Beteiligten mit einzubeziehen, zum Beispiel die besten Freunde des Kindes, und zu klären, was hätte das Kind gewollt und was hätte es nicht gewollt.“

Autor: Bärbel Romey
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