Kindertrauer kann nicht warten

Von Bärbel Romey

Das Trauerland e.V. – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche – bietet Kindern Raum für ihre individuellen Trauerwege. In geschützten Räumen begleiten gut geschulte Ehrenamtliche zusammen mit einer ausgebildeten hauptamtlichen Fachkraft regelmäßig junge Menschen, Trauer auf ihre Art zu leben.

 

Ausdruck von Trauer

Trauer zeigt sich bei Kindern in ganz vielen unterschiedlichen Gefühlen: in Wut, Traurigkeit, Verzweiflung, Sorge, Erleichterung, Angst und anderen Gefühlen. Trauer kann im Kopf sein, kann müde machen oder ein flaues Gefühl im Bauch. Wenn sie nicht gelebt werden darf, können die Kinder auch psychisch oder physisch krank werden. Bei Trauer gibt es weder richtig noch falsch“, weiß Carolin de Witt, Gruppenleitung und Ehrenamtskoordinatorin. Kinder und Jugendliche würden anders trauern als Erwachsene. In den Gruppen bietet „Trauerland“ den jungen Betroffenen eine Reihe verschiedener, dem Alter entsprechende Anregungen und Ausdrucksmöglichkeiten. Sie entscheiden selber, was sie mit Begleiter bei uns machen möchten. Sie sind mit gleich betroffenen Kindern zusammen und fühlen sich dadurch schon nicht mehr so allein mit ihrem Schicksal und besser verstanden.

 

Begleitung seit 15 Jahren

Der Verein Trauerland wurde 1999 in Bremen gegründet und startete 2006 mit einer Kindergruppe am Standort Oldenburg. Alle 14 Tage treffen sich die Gruppen an einem festen Wochentag. In drei Gruppen sehen sich je bis zu 15 Kinder und Jugendliche von drei bis 16 Jahren, bei denen ein nahestehender Mensch gestorben ist. Betreut werden immer ein bis zwei junge Menschen von einer Bezugsperson, während ihre Eltern oder nahestehende Personen in einem extra Raum begleitet werden. Bei den Gruppen handelt es sich um ein offenes Angebot, das heißt die einzelnen Treffen sind nicht thematisch aufeinander aufbauend. Es ist daher jederzeit möglich, neue Kinder in eine bestehende Gruppe aufzunehmen und Kinder aus der laufenden Gruppe zu verabschieden.

 

Kinder entscheiden frei

„Kinder bleiben im Durchschnitt etwa zwei Jahre, manche weniger, andere länger. Die Kinder entscheiden auch, ob sie kommen wollen und wann sie das „Trauerland“ wieder verlassen möchten,“ berichtet Carolin de Witt. Bevor ein Kind in eine Gruppe aufgenommen wird, nimmt es an einem zweistündigen Schnuppervormittag teil, der in Oldenburg viermal im Jahr samstags für interessierte Familien angeboten wird. Das Treffen dient dazu, den Ablauf der Kinder- und Erwachsenengruppen gemeinsam kennenzulernen.

 

Auf Spenden angewiesen

Alle Angebote sind für die teilnehmenden Familien kostenfrei, denn „ auch das finanzielle Gefüge gerät durch den Tod in der Familie aus der Balance, und es soll jedem Kind unser Trauerland offen stehen,“ erklärt Hille Ballin, Angehörigenmoderatorin und Ehrenamtliche für Öffentlichkeitsarbeit in Oldenburg. Das Team hofft, dass das Thema Kindertrauer bald anerkannt wird, denn um die hohen Kosten für Fachkräfte, Miete und Sonstiges aufzubringen, finanziert sich der Verein bislang nur durch Spenden.

 

Ehrenamtliche gesucht

Eine wichtige Säule für die Arbeit bei „Trauerland“ sind die vielen Ehrenamtlichen. Sie engagieren sich nach vorherigen Schulungen in den Trauergruppen, an Informationsständen, bei Veranstaltungen und in der Öffentlichkeitsarbeit. „Ohne ihre Hilfe wären die individuelle Betreuung in unseren Trauergruppen und unsere vielen anderen Angebote nicht zu finanzieren. Gern können sich Interessierte an uns wenden, die ehrenamtlich tätig sein wollen,“ sagt Hille Ballin. „Ob Studierende oder Menschen bis ins hohe Alter - uns verbindet alle die gleiche Aufgabe.“

Kontakt: Telefon 04 21 / 69 66 72-0 oder info-oldenburg@trauerland.org Webseite für Kinder:www.kindertrauerland.org
Webseite für Erwachsene: www.trauerland.org Trauerland auf Facebook: https://de-de.facebook.com/Trauerland

 

 

Autor: Bärbel Romey