Nicht immer nur andächtig - Die Andachtshalle

Ungewohnte Kulisse: Ein Musical in die Andachtshalle

Sie sind mutig und modern: Bodo Funke und Bastian Büsselmann nutzen die Andachtshalle nicht nur als Raum zum Trauern und Gedenken für Angehörige, sie nutzen ihn zeitweilig auch für ausgewählte kulturelle Anlässe. Die Erfahrungen sind sehr positiv.

Viele Bestattungshäuser bieten Angehörigen die Möglichkeiten, in der hauseigenen Trauerhalle mit einer persönlichen Andacht dem Verstorbenen vor dem letzten Geleit in aller Ruhe in einem ausgewählten Kreis zu gedenken.

Die Andachtshalle bietet für die individuelle Trauerfeier, die nach Absprache vom Bestattungsunternehmen oder von den Angehörigen vorbereitet wird, den richtigen Rahmen. Der Raum kann nach persönlichen Vorstellungen geschmückt werden, die Andacht in aller Stille stattfinden, vom Pastor oder Trauerredner begleitet oder nur von der Familie gestaltet werden. Es kommt uns nicht spontan in den Sinn, eine Andachtshalle mit einem anderen Anlass zu verbinden, geschweige denn kulturelle Veranstaltungen hier zu vermuten.

 

Mit Mut die Scheu verlieren

„Wir wollen deutlich über den Tellerrand hinweg schauen, um auch die Scheu im Leben vor dem Tod zu nehmen“, erklärt Bodo Funke die auf den ersten Blick ungewöhnliche Idee in einem Gespräch mit der NWZ. Während sein Bruder Bernd diese Vision schon beim Neubau der Trauerhalle in Bad Zwischenahn 2000/2001 im Hinterkopf hatte, sollte es noch ein Jahrzehnt dauern, bis die Brüder es wagten, diesen Ort des Trauerns und Erinnerns für die Kunst und Kultur zu öffnen.


Aller Anfang ist schwer

Als Sabine Krüger am Karfreitag 2010 mit ihrem plattdeutschen Ein-Personen-Stück „Dialog mit Hemann“ einen neuen Zugang zum Thema Tod und Trauer verschaffte, sorgte die vom Zwischenahner Bauernhaustheater bekannte Schauspielerin mit dem ersten kulturellen Beitrag an einem außergewöhnlichen Ort für Aufsehen. Obwohl der Raum inhaltlich nicht hätte treffender sein können – eine Frau beschreibt an dem Sarg ihres Mannes Szenen aus ihrem Eheleben mit allen Höhen, Tiefen und Querschlägen – habe dieser Auftritt relativ hohe Wellen geschlagen, erinnert sich Bodo Funke, weil die Schauspielerin in der Szene Alkohol in der Hand gehalten hatte.


Ohne Aufsehen

Trotz Kritik rückten die Brüder nicht von ihrer Idee ab: Vor etwa drei Jahren fand eine Lesung statt, ohne großes Aufsehen zu erregen. Über private Kontakte entstand in diesem Sommer spontan die Idee, ein Musical an diesen besonderen Ort zu holen. Die beiden Aufführungen am 11./12. Oktober waren nicht nur gut besucht, sondern fanden auch viel Anklang beim Publikum.


Hemmschwelle abbauen

„Dann lernen wir Ihr Haus einmal ganz anders kennen“, zeigte sich ein Besucher ganz angetan davon, ein Bestattungshaus nicht erst im Trauerfall aufzusuchen. „Genau das wollten wir erreichen“, erklärt Bodo Funke. „Auch wenn wir Bestatter von Beruf sind, suchen wir den Kontakt gerne schon zu Lebzeiten.

Da die Andachtshalle bei einer kulturellen Veranstaltung zudem ein anderes Flair ausstrahlt, ist die Hemmschwelle für einen Besuch nicht mehr so groß. Schließlich wollen wir auch gerne frühzeitig über eine gute Vorsorge aufklären. Dabei darf es auch locker zugehen – so wie beim Musical, das die Trauerhalle mit Lebensfreude erfüllte“, lächelt Funke.

 

Bild: Jan Dierk Büsselmann

Forum für Kunst & Kultur

Ist der Tod im richtigen Leben oft noch ein Tabuthema, so spielt er in der Kunst seit jeher eine große Rolle. Auch Susanne Irene Springer ist durch eigene Betroffenheit selbst zur Malerei gekommen. Ihre Bilder helfen der 52-jährigen Friedrichsfehnerin bei der persönlichen Trauerarbeit. Wie sich ganz natürlich und unmittelbar eine Brücke schlagen lässt, zeigt das jüngste Experiment vom Bestattungshaus Behrens- Funke, das das alteingesessene Rasteder Bestattungsunternehmen Ott im vorigen Sommer übernommen hat. Bastian Büsselmann sind die Werke sofort aufgefallen und regte die Ausstellung „Leben und Sterben“ an. Sie wurde vor zehn Tagen mit einer Vernissage eröffnet und ist weiterhin während der Öffnungszeiten im Rasteder Bestattungshaus zu sehen. Mit ihrem Mut zu Ungewöhnlichem zeigen uns die Funke-Brüder und Bastian Büsselmann, dass wir den Tod keineswegs aus unserem Leben verdrängen sollten, sondern ungewöhnliche Wege uns neue Brücken bauen. Pietätlos ist das nicht – eher innovativ.

Autor: Swantje Sagcob

Der "zweite Tod" folgt im Netz

Bild:
Fotolia.com /Momius;Per

Unser Alltag wird immer digitaler. So wie wir jeden Tag Spuren im realen Leben hinterlassen, so hinterlässt sie jeder von uns als Internetnutzer auch im Netz. Was passiert mit den vielen Spuren nach dem Tod? Wie sich das digitale Erbe einfach und sicher mit Hilfe eines Dienstleisters regeln lässt.

„Man stirbt nur einmal – und für so lange“, hat der französische Dichter und Schauspieler Molière (französischer Dichter und Schauspieler, 1622-1673) treffend gesagt – im 17. Jahrhundert brauchte man allerdings auch noch keinen Gedanken an ein digitales Erbe verschwenden. Im digitalen und globalen Zeitalter hingegen hinterlässt fast jeder unweigerlich auch Spuren im Netz.
Und das World Wide Web ist mittlerweile dafür bekannt, dass es nicht so schnell vergisst.

 

Das Internet vergisst nicht von alleine

Das fängt ganz simple bei E-Mail- Konten an und reicht über Profile in sozialen Netzwerken, Apps und Kundenkonten bis hin zu Passwort geschützten elektronischen Bezahlsystemen, Charakteren in Onlinespielen oder einer eigenen Domain. Sie alle hören mit dem Tod eines Menschen nicht auf zu existieren. Auch im Internet geschlossene Verträge enden nicht mit dem Tod, so dass die Erben mit allen Rechten wie auch Pflichten (sprich Kosten) daraus – auch überraschend - konfrontiert werden können. So gehören zum Erbe beispielsweise auch Versteigerungen bei e-Bay, Online-Abos oder gekaufte Software wie E-Books und Musik.

 

Digitaler Nachlassdienst löscht Spuren

Angehörige, die sicher sein möchten, dass alle Spuren im Netz gelöscht werden, damit sie keine unangenehmen Überraschungen erleben, können auf den Service eines digitalen Nachlassdienstes zurückgreifen. Selbst Facebook und Google stellt für diese Profis kein Problem dar. Diese Dienstleistung wird von Firmen wie Semno (Baden-Württemberg) oder Columba (Berlin) angeboten. Damit die persönlichen Daten des Verstorbenen auch im Netz nicht weiter existieren, gibt es verschiedenen Verfahren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) mahnt zur Vorsicht mit persönlichen Daten des Verstorbenen und rät davon ab, den kompletten Computer von digitalen Nachlassverwaltern analysieren zu lassen. Patentiertes Verfahren überzeugt Columba ist weltweit das erste Unternehmen, das mithilfe einer patentierten Datenprozessierung ein Verfahren zur einfachen und umfassenden Regelung des digitalen Nachlasses entwickelt hat. Mit Hilfe eines Datenabgleichs ist es möglich, bestehende Kundenkonten, Verträge, Gutschriften wie auch Mitgliedschaften von Verstorbenen bei Internetunternehmen zu ermitteln. Columba benötigt für diese Recherche weder Informationen zu existierenden Online-Konten, die Passwörter des Verstorbenen, noch den PC oder andere internetfähige Geräte, die hinterlassen wurden.

 

Bestatter vermitteln Online-Schutzpaket

Das Online-Schutzpaket steht Hinterbliebenen mit seinem Dienstleistungsangebot rechtssicher zur Seite, heißt es aus Berlin. Es regelt in Zusammenarbeit mit dem Bestatterverband vertrauensvoll und effizient den digitalen Nachlass und wird über den Bestatter vor Ort beworben. Dem „Doppelleben“ sollte man möglichst rasch ein Ende setzen. Wer rechtzeitig vorsorgen möchte, sollte auch ein digitales Testament aufsetzen.

 

Autor: Swantje Sagcob
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