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Bernd Kommerowski

* 26.07.1950
† 03.02.2019
Erstellt von Brigitte Kommerowski
Angelegt am 07.06.2021
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Brigitte

Entzündet am 24.05.2026 um 21:11 Uhr

Liebstes Bruderherz,

zuletzt waren Dir an Ostern von mir gedenkende Zeilen gewidmet worden. Wahr aber ist, dass Du jeden Tag und in jedem Moment in meiner Erinnerung gegenwärtig bist, genauso wie unser lieber Vater und unsere liebe Mutter. Euer Geist ist mit mir. Häufig löst etwas mir Begegnendes oder sich Ereignendes in mir den Impuls aus, Euch davon mitteilen, das jetzt mit Euch zu teilen wollen.

Gestern waren es siebenundsiebzig Jahre, seit unser Grundgesetz besteht.

Heute begehen wir das Pfingstfest mit dem ersten Pfingstfeiertag. Im christlichen Glauben erzogen und aufgewachsen, war auch Dir vertraut, dass Pfingsten für Christen das Fest des Pfingstwunders und des Heiligen Geistes ist, nach christlicher Tradition als das Geburtsfest der Kirche gilt, und dass es nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr ist. Uns wurde gelehrt, dass Pfingsten die 50tägige österliche Freudenzeit beendet, und gleichzeitig den Startpunkt für die weltweite Verbreitung des christlichen Glaubens markiert. Dass der Name auf das griechische Wort "pentekoste" (der Fünfzigste) zurückgeht, weil das Fest etwa 50 Tage nach Ostern gefeiert wird, war uns sicherlich irgendwann während unserer Schul- und Konfirmandenzeit vermittelt worden.

Deine im Laufe Deines Leben gewachsene Sichtweise auf die christliche Kirche als Institution war eine Seite. Dass Pfingsten, das traditionell zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni liegt und damit im späten Frühjahr, in einer Jahreszeit des Wiedererwachens und erneuten Erblühens der Natur ist, aber berührte auch Dein Herz zutiefst. Auch unsere Eltern brachten uns insbsondere in unserer frühen Kindheit in liebevoller Weise näher, dass sich in vielen Regionen diverse Natur- und Frühlingsbräuche entwickelt haben, und auch unsere Eltern schmückten unsere Wohnstätte mit Zweigen frischen Birkengrüns, indem sie sie fein in unserer schönen kugelförmigen Vase aus klarem Glas arrangierten.

Seit Du unsere Menschenwelt verlassen hast, hat diese an verschiedensten Brennpunkten weiter an Unfrieden zugenommen. Verursacher und Motive sind unverändert, bei steigender Aggressivität und sich steigerndem Vernichtungsverhalten.

Anlässlich von Pfingsten hat Papst Leo XIV., seit dem 8. Mai vorigen Jahres im Amt, und Mahner für den Frieden, erneut zu Frieden und Versöhnung in der Welt aufgerufen… Krieg werde nicht durch eine Supermacht gewonnen, sondern durch die Allmacht der Liebe besiegt.

Bei der Messe im Petersdom warnte er vor aktuellen Entwicklungen. "Wir sehen deutlich, dass es Veränderungen gibt, die die Welt nicht erneuern, sondern sie durch Irrtümer und Gewalt altern lassen."

Auf dem Petersplatz rief der Papst zu Offenheit und Gastfreundlichkeit auf - "auch denen gegenüber, die ihre Türen für Gott, für andere, für die Hoffnung und für die Lebensfreude verschlossen haben". Widerstände, Egoismus, Misstrauen und Vorurteile müssten überwunden werden und eine Welt müsse entstehen, in der unter allen Völkern Frieden herrsche.

Was würden seine Worte und Aufrufe in Dir bewirkt haben? Waren nicht Dein ganzes Herz und Dein Sinn auf Gerechtigkeit und Frieden ausgerichtet?

Ist aber nicht die allererste, große und dringende Voraussetzung für Frieden in der Welt, dass jeder Einzelne Frieden in sich selbst schafft, zum Frieden in sich selbst gelangt, und aus dieser von innerem Frieden erfüllten Haltung heraus zu leben und zu wirken?

Aus tiefem Herzen hoffe und bete ich, dass Deine Seele im ewigen Frieden und Licht ist, gemeinsam mit den Seelen unserer lieben Eltern.

Inniglich, Deine Schwester.

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Brigitte

Entzündet am 05.04.2026 um 18:12 Uhr

Liebstes Bruderherz,

heute ist Ostersonntag, von blendender Sonne durchstrahlt. Das helle Grün der Blätter drängt rapide aus den schützenden Kokons der Knospen. Blüten an Bäumen und von Blumen entfalten sich prachtvoll. Meine Erinnerungen wandern entzückt in unsere frühe Kindheit, die inneren Bilder von unserem aufregenden Ostereiersuchen unter Anleitung unserer lieben Eltern sind in aller Klarheit präsent.

In unserer christlichen Tradition aber ist Ostersonntag, wie Du wusstest, der wichtigste Festtag des Jahres. Wird da nicht im tiefen Sinn der "Sieg des Lebens über den Tod" gefeiert? Oder der Sieg des Geistes über die Materie? Oder die Wiederver-einigung mit dem Göttlichen?

Ist es nicht unglaublich spannend, sich damit auseinander-zusetzen? Könnte es nicht außerordentlich aufschlussreich sein, sich diesem fundamentalen Thema von Sterben (Tod am Kreuz) und Auferstehung aus unterschiedlichen und der christlichen Kultur fremden Blickwinkeln zu nähern, zum Beispiel aus einer Perspektive anderer Religionen oder Philosphien, wie beispielsweise Lehren und Erfahrungen aus dem Buddhismus, insbesondere des Zen? 

Im Zen wird vom "Großen Tod" gesprochen, der zu sterben sei. Das bedeutet das Sterben zu sich selbst, mit anderen Worten, darin den großen Durchbruch zu erfahren zu seinem wahren Selbst, in der Überwindung Ego... Die Erfahrung der großen Erleuchtung. 

In der christlichen Bibel ist vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse im Paradies die Rede. Findet sich in dieser Aufspal-tung in duales Denken und Wahrnehmen, das Fallen (aus der Einheit) in die Dualität nicht die Trennung von Gott?

Im Christentum wird an Karfreitag der Tod Jesu am Kreuz betrauert. Wofür aber steht das Kreuz? Ist es nicht grund-sätzlich eine Kreuzung aus den beiden Richtungen horizontal und vertikal,  darin eine sich kreuzende Vereinigung zweier entgegengesetzter Richtungsverläufe?

Und woraus besteht das Kreuz, das Jesu trägt? Ist das nicht in Wahrheit der Baum des Lebens? Symbolisiert das Kreuz, das Tragen des Kreuzes, der Tod am Kreuz, nicht die wiederer-langte Einheit mit Gott?

Und sind der Baum des Paradieses und der Baum des wahren Lebens nicht unauflöslich miteinander verbunden? Ist es nicht so, dass der Sündenfall in jedem von uns immer wieder lebendig wird?

Und ist uns nicht im Tod von Christus am Kreuz ein Lösungsweg angeboten?

Ist das nicht der – alles andere als einfache  - Weg zur Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt, Krankheit, Leid, Altern und Tod, indem wir das Kreuz in seiner eigentlichen Bedeutung erkennen als Zeichen zur Überwindung des Ego und der Vereinigung des menschlichen Geistes mit dem Geist des Universums, dem ewigen Licht?

Ist die Auferstehung, die wir an Ostersonntagen feiern, nicht wahrlich eine frohe Botschaft?

In Erinnerung an Ostersonntage während unserer frühen Kindheit hocken in diesem Raum vor einer Art kleinem Altar drei mit Goldpapier umwickelte Schokoladenhäschen - eines für Dich, eines für unseren lieben Vater und eines für unsere liebe Mutter.

Bitte seid im tiefen Frieden und im ewigen Licht!

Inniglich, Deine Schwester.

 

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Brigitte

Entzündet am 18.02.2026 um 22:12 Uhr

Liebstes Bruderherz,

heute vor siebenundsiebzig Jahren war es, als unsere lieben Eltern den heiligen Bund der Ehe eingingen. Auf dem Standesamt, dann religiös besiegelt in kirchlicher Trauung. „Bis dass der Tod euch scheidet“ – dieses Versprechen der Unauflöslichkeit ihres Bundes haben unsere Eltern unverbrüchlich gelebt. Damit gaben sie Dir und mir etwas Wichtiges mit auf unsere Lebenswege. Wir durften stolz sein auf unsere Eltern.

Was haben Du und ich im Laufe unser beider Wege im Leben, die sich vollkommen unterschiedlich gestalteten, hinsichtlich so tiefgehender und umfassender Versprechen allgemein wahrgenommen, selbst erfahren, und insbesondere selbst erlebt? Wieweit fanden wir darin die uns von unseren Eltern vorgelebten Werte verwirklicht, die – bewusst wie unbewusst – unsere Sensibilität für, unser Verständnis von, und unser Vertrauen in Paarbeziehungen zwischen Mann und Frau geprägt hatten? Inwieweit spielten im Verlauf der Zeit sich verändernde Werte im gesellschaftlichen und sozialen Leben, innerhalb unseres Landes und über dessen Grenzen hinaus, in unsere persönlichen Lebensbereiche und Erfahrungen hinein?

Hat es sich nicht erwiesen, dass es letztlich immer wieder die Eigenschaften eines reinen, geraden und aufrichtigen Herzens sind, also Wahrheit und Aufrichtigkeit, die von grundlegender Bedeutung sind in Verbindungen zwischen Menschen? Und unabdingbar bei Versprechen der Unauflöslichkeit des Bundes bei einer Eheschließung?

Du hättest viel dazu zu sagen!

Bitte sei im tiefen Frieden und im ewigen Licht, gemeinsam mit unseren lieben Eltern.

Inniglich, Deine Schwester.

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Brigitte

Entzündet am 14.02.2026 um 23:49 Uhr

Liebstes Bruderherz,

am Tag der Trauerfeier zu Deinem ehrenden Gedenken mit dem darauffolgenden Beisetzen Deiner Urne auf dem nicht so weit von Deinem eigenen Haus gelegenen Friedhof Deines letzten vieljährigen Lebensortes schien strahlend die Sonne vom zartblauen Himmel. Das war am 14. Februar, dem Valentinstag heute vor sieben Jahren. Ein Tag, der dem Ausdruck von Liebe und Zuneigung gewidmet ist. Doch verhüllte sich heimlich in diesem von der Sonne durchstrahlten offiziellen Abschied von Dir ein tiefer Schatten, der erst am nächsten Morgen sichtbar wurde, als sich offenbarte, dass bereits geraume Zeit vor der Dich ehrenden Trauerfeier eine bestimmte Handlung vorbereitet worden war, die unmittelbar am Tag danach durchgeführt wurde. Mein liebes Bruderherz, wie schwer war mir das Herz vor Entsetzen, Charaktere sich in ihrer tatsächlichen Motivation enthüllen zu sehen. Menschen, denen Du vertraut hattest. Ausdruck von wirklicher Liebe und Herzenswärme waren mir hier nicht spürbar.

Oder wären diese Handlungen so unmittelbar nach der Dich ehrenden Trauerfeier etwa in Deinem Sinn gewesen wären?

Mögest Deine Seele vollkommen befreit sein, im tiefen Frieden und im ewigen Licht ruhen!

Inniglich, Deine Schwester.

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Brigitte

Entzündet am 03.02.2026 um 22:07 Uhr

Liebstes Bruderherz,

neulich las ich in einem Buch über eine sehr verfeinerte Kultur in Fernost in einem Abschnitt, der sich auf die „Ethik der Gabe“ bezog, unter anderem folgende zum Nachdenken anregende Sätze: „Vorstellungen vom menschlichen Leben, wo es herkommt, welchem Zweck – wenn überhaupt einem – es dient, wohin es führt, gehören zum geistigen Kern einer Kultur. Einer traditionellen, insbesondere im Konfuzianismus wurzelnden Auffassung zufolge ist das Leben eine Gabe, und zwar eine solche, die ein jeder in seiner körperlichen Gestalt von seinen Eltern empfangen hat. … Die Beziehung der Kinder zu ihren Eltern beinhaltet eine nicht rückzahlbare Schuld. Zu den Implikationen dieser Vorstellung gehört es, dass man nicht das Recht hat, leichtfertig mit diesen wichtigsten aller Gaben umzugehen. Den von den Eltern erhaltenen Körper darf man nicht mutwillig verletzen … „ 

Wie würdest Du aus Deiner persönlichen Perspektive sowie aus der unserer eigenen Kultur über diese Vorstellungen gedacht haben? Wieweit würdest Du die dieses fernöstlichen Landes und seiner spezifischen Kultur geteilt haben? Wie warst Du selbst mit dieser von unseren Eltern empfangenen Gabe umgegangen?

Würde sich Dir vielleicht auch die Frage gestellt haben, wie weitreichende Folgen eine Vorstellung von dem als Gabe empfangenen Körper für eine Definition von Leben und Tod haben kann und hat?

Welche Gedanken würden Dir da im Rückblick auf Dein eigenes Leben gekommen sein?

Für die Auffassung, dass die Beziehung der Kinder zu ihren Eltern eine nicht rückzahlbare Schuld beinhaltet, würdest Du nach meinen Beobachtungen und meinen Erfahrungen mit Dir während einer früheren Phase Deines Lebens in gewissem Sinne eventuell empfänglich gewesen sein. Mit Gewissheit aber nicht während der letzten zwanzig bis dreißig Jahre Deines Erdendaseins. Trotz Deiner innigen Verbindungen mit unseren lieben Eltern, dabei ganz besonders warmherzig mit Mutti.

Heute sind es sieben Jahre, seit Du ungewollt doch urplötzlich Deinen Körper zurücklassen musstest. Nur noch wenige Stunden hatten Dich davon getrennt, von Deinem so heiß ersehnten Anteil der ‚materiellen Umarmung‘ unserer lieben Eltern für ihre beiden Kinder ein Erstes in Deinen Händen zu halten, als Du unerwartet über die Schwelle der Zeit in die Ewigkeit gehoben wurdest, und darin Deiner Freude und Deines Genusses dieser ‚Umarmung‘ beraubt.

War das, von dieser Art der Gabe unserer Eltern an ihre Kinder nun zu erhalten, für Dich innerlich zu spannungsvoll und zu aufregend gewesen?

Diverse Szenen vier Tage vor Deinem Tod bei einem Zusammentreffen an bestimmtem Ort aus wichtigem, erforderlichen Anlass sind unauslöschlich in mich eingraviert. Deine falschen Behauptungen und haltlosen Unterstellungen gegen mich waren Angriffe auf meine Integrität. Gezielt, absichtsvoll? Vor dritten und vierten Anwesenden. Es verschlug mir vor innerer Empörung die Sprache. Vergessen ist das nicht. Ist es verziehen?

Du, nicht nur Du, musstest gewusst haben, wie weh mir mit den Phantasien entspringenden grundlosen Unterstellungen und nichtzutreffenden Behauptungen getan wurde. Wie sehr mich das verletzte. Das war nicht erst geschehen, seit ich das Pflegen unserer lieben Mutter übernommen hatte, und von da an wiederholte es sich in Intervallen während des gesamten Pflegezeitraumes. Teilweise geschah das, nicht nur von Dir, hinter meinem Rücken, was mir dann als Informationen zugetragen wurde.

Kurz vor Deinem Tod waren Deine Emotionen in extrem hohem Maße aufgewühlt gewesen. Du wirktest auf mich wie unter Starkstrom stehend und wie nicht zu bändigen. Warum aber warst Du dennoch angestachelt worden, statt beruhigt zu werden?

Du warst mein Bruder, mir in meinem Innern immer eng verbunden und wichtig, mein liebes Brüderchen, für das ich Sorge und Verantwortung fühlte, dem niemand etwas zuleide tun durfte. Dieses innere Band löst auch der Tod nicht.

Es tut mir unendlich leid, dass Dein Leben in unserer Menschenwelt genau an der Stelle endete, als Dein langgehegter Traum und eine Erwartung im Begriff waren, wahr zu werden. Und Du Pläne für einen neuen Abschnitt schmiedetest.

Aber Du bist nun uns allen voraus, denn Du hast den Übergang gemeistert, und bist in der Lage, das Leben anhand der Ewigkeit zu messen! Und Du würdest wohl auf die „Vorstellungen vom menschlichen Leben, wo es herkommt, welchem Zweck – wenn überhaupt einem – es dient, wohin es führt“, nun Antwort zu geben vermögen ...

Bitte sei im tiefen Frieden, liebes Bruderherz, und im ewigen Licht, gemeinsam mit unserem lieben Vater und unserer lieben Mutter.

Inniglich, Deine Schwester.

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