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Betreiber der Kultdisco „Tiffany“ verstorben
08.07.2021 um 12:32 Uhr von NWZNachruf
Betreiber der Disco „Tiffany“ erreichte Kultustatus durch verrückte Aktionen und Skandale.
kfEr war einer der buntesten Vögel in Oldenburg, und sein Leben war wilder als viele andere: Emil Penning, Dekorateur, Freizeitclown, Musiker, Discotheken-Betreiber und Selbstdarsteller. Der Mann, der in den 1970er Jahren mit verrückten Aktionen und großen Skandalen lokalen Kultstatus erlangte, ist in der Nacht zu Samstag „plötzlich und unerwartet“, wie es heißt, gestorben. Emil Penning wurde 75 Jahre alt.
Penning hatte schon einen Ruf, als er 1973 die Disco „Tiffany“ an der Alexanderstraße eröffnete. Im Alter von vier Jahren schenkten die Eltern ihm ein Akkordeon und legten so den Grundstein für eine musikalische Karriere, die ihn unter anderem zur Gründung der „New Midnights“ (Begleitband von 60er-Jahren-Stars wie Chris Howland und Bill Ramsey) führte.
Ausflug mit Schlange
Berühmt, oder besser berühmt-berüchtigt, aber wurde Penning mit dem „Tiffany“, Oldenburgs verrufenste Disco für progressive Musik. Hier ließ man sich aus riesigen VitaVox-Boxen (die der Legende nach zuvor der englischen Band Pink Floyd gehörten) beschallen mit Musik von Jimi Hendrix, The Doors und Golden Earring. Dazu gab es Live-Konzerte – Emil Penning setzte seine Interpretation von Jugendkultur im „Tiffany“ in die Realität um.
Und als Mann, der etwas von Marketing verstand, tat er viel fürs eigene Image. Zum Stadtfest 1977 tauchte Penning mit seinem Mercedes-Daimler am Lefferseck auf, begleitet von „Gustav“, einem Ferkel auf dem Rücksitz, und „Eley“, einer riesigen Schlange im Kofferraum. So marschierte er durch die City und freute sich unbändig: „Dieser Vorfall stand in der Presse weltweit, auch auf den Fidschi-Inseln und in der NWZ“, erinnerte sich Penning in seiner Autobiografie.
Im Gefängnis gewesen
Die Geschichte von Emil, dem Schwein und der Python mag lustig sein. Sie markiert aber auch den Beginn des Abstiegs des Discochefs. Drogenrazzien, Polizeieinsätze und Gewalttätigkeiten waren im „Tiffany“ an der Tagesordnung. Penning selbst hatte mit einer Drogensucht zu kämpfen und kam schließlich nach einer blutigen Gewalttat mehrere Jahre ins Gefängnis. Es wurde still um das „Enfant terrible“ Oldenburgs.
1977 wurde die Discothek geschlossen. Nach der Gefängniszeit verließ Penning seine Heimatstadt, ehe er im Jahr 2007 plötzlich wieder auftauchte: als einer der Discjockeys der beliebten Oldienächte im Schloss Jever. Ab 2018 zog er sich erneut aus der Öffentlichkeit zurück – diesmal für immer.
Online kondolieren unter: www.nordwest-trauer.de
Das Foto zeigt ihn bei einer Tiffany-Revival-Party, die 2012 im „Müggenkrug“stattfand. Archiv
Gedenkkerze
bernd vetterick
tiffany ... so als wäre es gestern, die geile musikzeit war viel zu kurz !! aber die geschichten über dich leben weiter !