Wilhelm Boning

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Erstellt von NWZ Online
Angelegt am 12.06.2020
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Das Ehrenamt war sein Lebensmotor

12.06.2020 um 14:27 Uhr von NWZ

 

Bescheiden, verbindlich und bis zu seinem Lebensende mit einem wachen Verstand gesegnet: Sparkassendirektor a.D. Wilhelm Boning hat die Entwicklung Südoldenburgs maßgeblich mitgeprägt.

Klare Worte, analytischer Verstand, Herz auf dem rechten Fleck, unbändiger Einsatz für die Region: Wilhelm Boning, Sparkassendirektor a. D. und Ehrenamtler aus Überzeugung, ist am Sonntagabend im Alter von 96 Jahren gestorben. Der rüstige Rentner hatte vor allem in den 1960er und 1970er Jahren den wirtschaftlichen, aber auch sozialen Aufschwung des Oldenburger Münsterlands mitgeprägt.


Tatkräftig angepackt
Dabei ist Boning eigentlich kein Mann gewesen, der sich in die erste Reihe drängte, aber stets einer, der gerne tatkräftig mit anpackte. Seine Ehrenämter vollständig aufzuzählen, würde jeden Rahmen sprengen: So führte er mehr als 30 Jahre den Caritas-Verein, war 40 Jahre Mitglied im Kuratorium des St.-Josef-Hospitals und engagierte sich 24 Jahre als Vorsitzender im IHK-Beirat für Südoldenburg.

Noch ein Jahr länger saß er im Cloppenburger Kreistag, ebenfalls 25 Jahre war der Sparkassendirektor Vorsitzender im Verein für Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr in Cloppenburg. Boning hatte sich nie davor gescheut, Verantwortung zu übernehmen, wusste, was das Wort Loyalität bedeutet, und hatte bis zum Schluss nie seinen Humor verloren. Stets verabschiedete er sich mit seinem legendären Spruch: „Bleib’ gesund und zahlungskräftig.“

„Ich kannte die teilweise sehr ärmlichen Verhältnisse in Südoldenburg in der Vorkriegszeit“, sagte der in Wildeshausen aufgewachsene Wahl-Cloppenburger Boning im Gespräch mit der NWZ anlässlich seines 90. Geburtstags im November 2013. Nach dem Krieg und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft sei Südoldenburg nicht besser gestellt gewesen. „Ich habe mir gesagt, du musst etwas für diese Region tun, damit sie den Anschluss nicht verliert.“


Zahlreiche Ehrenämter
Boning ließ seinem Vorsatz Taten folgen, daneben arbeitete er sich als Bankangestellter die Karriereleiter hinauf: 1960 übernahm er die Führung der LzO in Cloppenburg. Er erfreute sich am Umgang mit Menschen und Zahlen – Börsendaten gehörten für ihn zum Frühstück dazu. Zudem genoss er es, an der Ausbildung junger Menschen mitzuwirken. 1988 ging er in Pension und arbeitete dann noch als Berater einer Sparkasse in Halle. Drei Währungsreformen hat er mitgemacht, einen Weltkrieg durchgestanden, den Mauerfall erlebt.

Ein Leben fernab seiner Wahlheimat Cloppenburg konnte er sich nie vorstellen – maßgeblich erfand er 1978 als Vorsitzender des Vereins für Wirtschaftsförderung das Cloppenburger Cityfest mit: Punkt 16 Uhr war er Jahr für Jahr donnerstags bei der Eröffnung des Stadtfestes mit dabei – und das bis ins hohe Alter. Stets freundlich prostete er einem mit einem Glas Bier zu.

Für viel Freude sorgte unter anderem in der NWZ-Redaktion alljährlich auch ein bunter Blumenstrauß in den Tagen vor dem Cityfest. Diese bunten Aufmerksamkeiten ließ Boning Freunden und Bekannten stets anonym zustellen – mit einer kleinen Karte, auf der in Schreibmaschinenschrift das Cityfest-Motto „Man trifft sich wieder“ stand.

Stolz auf Familie
Stolz war der Witwer nicht nur auf seine Wahlheimat Cloppenburg, sondern vor allem auch auf seine große Familie mit Kindern und Enkeln. „Es hat mir immer Spaß gemacht, für meine Familie, meinen Beruf und das Ehrenamt tätig zu sein“, sagte Boning im November 2013.

Bis zu seinem Lebensende wohnte er über der LzO-Filiale in der Stadtmitte. „Willi Boning war uns bis zum Schluss verbunden. Er verfolgte die Entwicklung der LzO immer mit größter Aufmerksamkeit“, sagte LzO-Regionaldirektor Volker Raker am Dienstag auf NWZ-Nachfrage. Jeden Freitag habe er die LzO-Chefetage in Cloppenburg besucht, und in der darunter liegenden Kundenhalle sei er noch viel häufiger zu finden gewesen. „Dabei begegnete er den Kollegen immer mit sehr viel Wertschätzung.“
Das sagt der Bürgermeister

„Mit tiefer Betroffenheit musste ich von dem Tod meines Freundes Willy Boning erfahren. Mit ihm geht eine bekannte und engagierte Persönlichkeit unserer Stadt. Herr Boning übte zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten aus und förderte tatkräftig die Cloppenburger Wirtschaft. Aus diesem Grund wurde ihm im Jahre 2002 auch der ,Silberne Löffel’ als Ehrengabe der Stadt Cloppenburg verliehen. Unvergessen bleibt, dass er der maßgebliche Ideengeber für das Cloppenburger Cityfest war, welches sich aus der Umgestaltung der Langen Straße zur Fußgängerzone entwickelte und er als Fest der Wirtschaft verstand. Sein Name wird für immer mit diesem Fest verbunden bleiben. Es erfüllt mich mit tiefer Trauer, die Worte „Man trifft sich wieder“ nicht mehr zu ihm sagen zu können. Ich werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Gedenkkerze

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Entzündet am 12.06.2020 um 14:22 Uhr