Lebensfreude bis zuletzt schenken

Sterbebegleitung: Verein Lebenswunsch e.V. erfüllt Sterbenden einen letzten Wunsch

Lebensfreude bis zuletzt

Der Verein Lebenswunsch e.V. wurde im Jahr 2017 gegründet, um Menschen an ihrem Lebensende im wahrsten Sinne des Wortes einen letzten Wunsch zu ermöglichen. Getreu dem Motto: „Letzte Wünsche erfüllen, Lebensfreude schenken,“ ist der Verein gemeinnützig anerkannt und arbeitet auf ehrenamtlicher Basis.

Zum Einzugsgebiet des Vereins gehören Bremen, Delmenhorst, Oldenburg und die Landkreise Oldenburg, Wesermarsch, Ammerland, Friesland und Ostfriesland. „Wir arbeiten sehr vertraulich mit den ambulanten und stationären Diensten der Hospiz- und Palliativversorgung zusammen, bei dem Sicherheit und die Freude im Vordergrund steht“, so Mark Castens. Er ist der erste Vorsitzende des Vereins, zu dem auch Michael Kurz, zweiter Vorsitzender und Bürgermeister der Stadt Brake sowie Kassenwart Peter Schnepper und Peter Löhmann als Schriftführer zählen.

Nach der Vereinsgründung hat sich der Vorstand auf den Weg gemacht und das „Fundament“ des Vereines weiter auf- und ausgebaut. Zur Anschubfinanzierung besuchten die Vorstandsmitglieder im Gründungsjahr gemeinnützige Institutionen wie die Lions, Roundtable usw., absolvierten gemeinsame öffentliche Veranstaltungen und besuchten nahezu alle ambulanten und stationäre Hospiz- und Palliativdienste im Nordwesten. Zeitgleich wurden im Gründungsjahr bereits drei Wunschanfragen erfolgreich beantwortet und umgesetzt. Im Jahr 2018 konnte der Lebenswunsch e.V. bereits achtzehn erfolgreiche Wünsche umsetzen, bei dem Menschen beispielsweise ein letztes Mal ihre Lieblingsorte Sylt, Wyk auf Föhr oder das Weserstadion in Bremen ansteuerten, dabei von Freunden und Angehörigen begleitet wurden, bevor sie verstarben. „Nennenswert ist hier sicher auch der Wunsch eines fünfzehnjährigen Jungen, der sich lediglich die Turnschuhe eines namhaften Herstellers wünschte“, erinnert sich Mark Castens. Der Junge verstarb einige Zeit später und trug die Turnschuhe auch bei seiner Einäscherung. Jahr 2019: „Die erste Wunscherfüllung fand bereits am 2. Januar statt“, erzählt der erste Vorsitzende. „Wir holten Frau Z. vom Jeverschen „Friedel-Orth-Hospiz“ ab, damit sie einen Rundflug mit Tochter und Enkeltochter über die Küstenregion erleben konnte.

 

Ein letztes Mal mit der Fußball Legende Uwe Seeler sprechen

 

Besonders in Erinnerung geblieben ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Vereins der Herzenswunsch eines männlichen Gastes aus dem „Ammerland-Hospiz“ in Westerstede, der zusammen mit seiner Frau und in Begleitung einer ehrenamtlichen Palliativfachkraft eine fünftägige Kreuzfahrt auf der AIDA-LUNA von Hamburg über Rotterdamm nach Dover und zurück erlebte. „Und der Patient eines ambulanten Palliativteams besuchte die Fußball Legende Uwe Seeler in Hamburg, während ein schwerkranker Mann aus der Wesermarsch ein letztes Mal zu Besuch in Bochum beim Starlight-Musical-Express war.“ Nicht zuletzt erinnern sich Mark Castens und die ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter des Vereins an einen Patienten des Lilge-Simon-Stift in Bremen, der den Wunsch hatte, den neuen Porsche 911 GTS zu fahren. Der Verein Lebenswunsch machte es möglich.

In diesem Jahr hat der Verein bislang 26 letzte Wünsche erfüllen können – trotz des „Shut-Down“ im Frühjahr und der jetzigen COVID-Maßnahmen im November. „Wir gehen ganz stark davon aus, dass wir bis zum Jahresende noch weitere Wunschanfragen erhalten und auch noch erfüllen werden“, so Mark Castens. In den meisten Fällen versterben die betroffene Personen schon sehr kurz nach einer Wunscherfüllung. „Zwischen einer Wunscherfüllung bis zum Tod können wenige Monate bis hin zu wenigen Stunden liegen.“

Wunscherfüllungen können aber auch zu lebensverlängernden Maßnahmen führen. „Im Sommer diesen Jahres lernten wir Frau Rykena aus Falkenburg kennen, die seinerzeit Zuhause palliativmedizinisch begleitet wurde und sich einen „Hamburg-Tag“ mit ihrer Familie wünschte. Unser Vorstandsmitglied Peter Löhmann hat sie Zuhause besucht und einen ganz besonderen Tag geplant.“

Zu diesem Zeitpunkt war Frau Rykena auf eine Gehhilfe und das Palliativteam angewiesen. Gemeinsam mit ihren Kindern, ihrem Bruder und in Begleitung von Peter Löhmann erlebte sie einen wunderbaren Tag in Hamburg und stellte bereits am Tag darauf ihre Gehhilfe in die Ecke. Inzwischen wird Frau Rykena nicht mehr durch ein Palliativteam begleitet, da die Symptome ihrer Krebserkrankung abgebaut haben und sie sich „wie neu geboren“ fühlt. „Sie selbst sagt, dass es einen Klick in ihrem Körper nach der Wunscherfüllung gab, und dass sie seither Kraft und Lebensfreude gewonnen hat.“

Mehr Infos zum Verein Lebenswunsch e.V., der sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert unter www.Lebenswunsch.org